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Vorlesenetzwerk

Projekt Vorlesepaten im Sommertalkindergarten gestartet

Kinder sitzen um eine Frau, die ein Buch in der Hand hältSusanne Aurich ist die erste Vorlesepatin im Sommertalkindergarten und kommt mit Giraffe Agathe bei den Drei- bis Fünfjährigen der Igel-Gruppe richtig gut an. Von links: Christine Mezger, Koordinatorin des Vorlesenetzwerks, Petra Demmer, Geschäftsführerin des Caritasverbandes Linzgau, Susanne Aurich, Kindergartenleiterin Angelika Hofmann und Ute Rose von der Stadtverwaltung.Sylvia Floetemeyer

Der Sommertalkindergarten beteiligt sich als erste Einrichtung im westlichen Bodenseekreis am Vorlesenetzwerk der Kinderstiftung Bodensee. Mit Hilfe von Koordinatorin Christine Mezger sucht der Kindergarten nun Ehrenamtliche, die kleinen Kindern einmal wöchentlich vorlesen möchten.

Die erste Lesepatin ist schon gefunden und hat bereits ihre Arbeit aufgenommen. Es ist Susanne Aurich, die zusammen mit der Giraffe Agathe in der Igel-Gruppe, die Drei- bis Fünfjährige besuchen, bereits gut ankam. "Die Kinder waren ganz begeistert", berichtet Kindergartenleiterin Angelika Hofmann. Agathe ist die Heldin eines Bilderbuchs, die gerne zählt, was ohne Hilfe gar nicht so einfach ist. Und Agathe heißt auch die knuddlige Plüschgiraffe, die Susanne Aurich "unterstützt". Sie gehört ihrer heute 14-jährigen Tochter, hieß mal anders und wurde flugs umgetauft, als Aurich sich vornahm, Vorleserin zu werden, und über die Stiftung Lesen auf das Agathe-Buch stieß - sowie auf das Vorlesenetzwerk der Kinderstiftung Bodensee.

Bisher war das Netzwerk, das seit sechs Jahren existiert, vor allem im östlichen Bodenseekreis aktiv. Nun soll es auch im Westen ausgebaut werden. Mezger, die bei der Caritas in Überlingen arbeitet, ist mit dieser Aufgabe betraut. Ziel des Vorlesenetzwerks ist, schon bei den Jüngsten Lust am Lesen und an Büchern zu wecken, gerade bei Kindern, die damit daheim kaum Kontakt haben. Aurich brachte das Vorleseprojekt für Meersburg ins Rollen. "Ich dachte sofort an den Sommertalkindergarten, da war schon meine Tochter", erzählt Aurich. "Wir können Ihnen dafür nur danken", sagt Bürgermeister Robert Scherer. "Es ist toll, dass es dieses Projekt gibt. Ich freue mich, dass wir nun dazugehören."

Es sei ein niederschwelliges Angebot, betont Mezger. Denn so schön Aktionen wie der bundesweite Vorlesetag seien, so besuchten diese meist nur Kinder, deren Eltern sie dorthin brächten. Natürlich läsen auch die Erzieherinnen viel vor, versichern Hofmann und Ute Rose, Leiterin der städtischen Abteilung Familie, Bildung, Soziales. Aber man freue sich sehr über zusätzliche Unterstützung, vor allem, wenn diese kontinuierlich sei, selbst wenn, so Hofmann, die Kinder sich schnell auf Neues einließen und jedem eine Chance gäben. "Sie sind aber auch ehrlich, wenn ihnen etwas nicht gefällt." Auf der anderen Seite, ergänzt Mezger, seien Verlässlichkeit und Rituale für Kinder, vor allem aus unsicheren Verhältnissen oder Flüchtlingsfamilien, ganz wichtig. Und auch im Bodenseekreis steige das Armutsrisiko für Kinder, unterstreicht Petra Demmer, Geschäftsführerin des Caritasverbands Linzgau sowie der Kinderstiftung. Der Kreis habe die dritthöchste Scheidungsrate in Baden-Württemberg, mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden im Kreis lebe in ärmlichen Verhältnissen, was auch für 17 Prozent der Familien mit minderjährigen Kindern gelte. Und Meersburg sei eine der Kommunen mit dem höchsten Anteil an Alleinerziehenden, bestätigt Rose.

Nachdem Susanne Aurich in Sachen Vorlesepatenschaft nun den Anfang gemacht hat, strebt der Sommertalkindergarten zunächst an, für jede der vier Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten ein bis zwei Vorlesepaten zu gewinnen - und, wenn das gut laufe, das Projekt später eventuell auch auf die Gruppen mit Ganztagsbetreuung auszudehnen.

(Artikelveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Südkurier)

Das Vorleseprojekt

  • Das Projekt Vorlesepatenschaft startet in Meersburg in den Kindergartengruppen mit verlängerten Öffnungszeiten. Die wöchentliche Vorlesezeit ist donnerstags, 9.15 bis 10.15 Uhr. Maximal nehmen zehn Kinder teil. Die Eltern werden über das Projekt informiert. Geeignete Bücher stellen der Kindergarten und die Stadtbücherei bereit.
  • Interessenten ab 18 Jahren für dieses reine Ehrenamt brauchen ein erweitertes Führungszeugnis und müssen einen Lebenslauf abgeben sowie eine Schweigepflichterklärung und ein Merkblatt unterschreiben. Die Vorlesepaten erhalten Schulungen und Gesprächsangebote.
  • Das Vorlesenetzwerk ist ein Projekt der Kinderstiftung Bodensee. Letztere wurde auf Initiative der Caritas gegründet und hat Partner in Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Im Bodenseekreis gibt es 83 Vorlesepaten in 45 Einrichtungen.
  • Interessierte neue Vorleser können sich melden bei Christine Mezger, Koordinatorin Vorlesenetzwerk Bodensee, Telefon 0 75 51/83 03 21, E-Mail mezger@kinderstiftung-bodensee.de